Mein Jahr als quasi-Zivi in Nottingham, England

Die Anreise

Am 18. Juli um 19.20 Uhr verlasse ich meine Heimatstadt Berlin in einem Bus, der mich in 23 Stunden ueber die Niederlande, Belgien und Frankreich durch den Eurotunnel bis nach London bringt. Obwohl...das war gelogen, denn in Bruessel bleibt der Bus 4 Stunden liegen und muss ausgetauscht werden. Schliesslich in London angekommen, bringt mich ein Bus des National Express bis nach Nottingham. Auf dem Weg von der Bushaltestelle bis zum Center treffe ich zum Glueck auf halbem Wege auf eine Koechin des Hauses, die sich allen Ernstes auf den Weg gemacht hat, mich zu suchen. Dabei konnte sie gar nicht genau wissen, wann ich ankommen wuerde. Das Klischee, die Englaender seien hoeflich, hat sich damit jedenfalls schonmal bestaetigt. Gegen 22.00 Uhr in Skylarks angekommen, zeigt mir Philipp, einer von momentan drei anderen Berlinern (!), mein Zimmer und fuehrt mich herum.Das Gebaeude ist aufgeteilt in 31 Gaestezimmer, Rezeption und einige Offices, Pool Area, Lounge, Dining Room, Kueche, Internet Cafe, Bar, Vollunteers Block auf zwei Etagen (Volly Block) und Garten. Natuerlich fuehlt sich alles zunaechst sehr fremd und neu an aber mein erster Eindruck ist durchaus positiv (den Pool werd ich sicher oft nutzen). Ein Mitarbeiter lobt sogar mein Englisch :-) In meinem Zimmer ist das noetigste untergebracht (Schrank, Bett, Waschbecken, Schubladen) und ich nehme mir vor es schoen einzurichten. In dieser Nacht schlafe ich wie ein Stein.

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Die Vorbereitung

Die erste Station auf meinem Weg ins Ausland bildet eine Woche Training in Kassel. 22 sich zuerst voellig Fremde treffen sich in einer Jugendherberge mit zwei Trainerinnen und gestalten zusammen eine Woche voller Kommunikations-, Motivations- und interkultureller Uebungen, Ausfluegen zu Einrichtungen fuer Jugendliche oder Behinderte, Kennenlernspiele, selbstgemalte Plakate und natuerlich auch Freizeit und Parties. Auch wenn man sich oft fragen musste, was die Uebung gerade eigentlich bringen sollte, so war nach droelf Minuten Einwirkzeit der aha-Effekt schliesslich meist eingetreten. Ich habe mich mit anderen ueber Aengste, Wuensche und Hoffnungen austauschen koennen und nebenbei auch noch neue Freunde gefunden. An diese Zeit werde ich mich gerne zurueckerinnern und freue mich schon jetzt auf ein Wiedersehen im September 2009.

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Erste Schritte

Nach einer recht erholsamen Nacht (verglichen mit dem Sekundenschlaf im Bus) stehe ich am Sonntagmorgen um 7.00 Uhr auf um mich auf meinen ersten Tag in Skylarks vorzubereiten. In der Lounge bekommen wir Vollys noch einige Hinweise von Poppy, eine der Krankenschwestern, die so gute Laune hat wie ich es noch nie bei einem Menschen erlebt habe. Mein erster Eindruck sie sei der Sonnenschein des Hauses, sollte sich bestaetigen. Um 8.00 Uhr betrete ich das Zimmer meines Morning Guest, dem ich in dieser Woche jeden Tag beim Aufstehen helfen werde. Im ersten Moment etwas ueberfordert, legt sich meine Aufregung jedoch recht schnell als ich ihm einfach zuhoere, was er wuenscht und wie ich ihm helfen kann. Er weiss es selbst gut genug und ist zum Glueck auch recht eigenstaendig. Ich bringe ihn in seinem Rollstuhl zum Fruehstueck. Mein erstes richtiges englisches Fruehstueck geniesse ich zwar, da ein grosses Angebot besteht und ich mit allen Gaesten und Volunteers zusammen an grossen Tischen esse, doch ich muss feststellen, dass es recht fettig ist. Jeden Tag kann ich das nicht essen, aber es gibt ja noch Joghurt, Cornflakes und Toast. Nach dem Fruehstueck puzzeln wir in der Lounge und unterhalten uns. Zum Mittag und Abendessen helfe ich ihm und anderen Gaesten bei allem, was sie brauchen, seien es Dinge aus ihrem Zimmer oder ihnen etwas zu trinken zu bringen. Eins steht nach dem ersten Tag fest: Das Essen schmeckt, ist reichhaltig und abwechslungsreich. Besonders das Dessert hats mir angetan. In meiner freien Zeit unterhalte ich mich mit anderen Volunteers, gehe schwimmen oder schaue mir die naehere Umgebung an. Es ist sehr laendlich hier und nahbei befindet sich ein See mit einem Pfad drumherum, wo man super joggen kann. Doch die naechsten Geschaefte sind nur 5 Minuten Fussweg entfernt. Bis nach Nottingham City Centre sind es gute 15 Minuten mit dem Bus. Die meisten Volunteers kommen aus Suedkorea. Die zweitgroesste Partei bilden die Deutschen. Demnach gibt es zwei groessere Gemeinschaftszimmer, die German flat sowie Korean flat genannt werden und mit einer eigenen Kueche ausgestattet sind. Hier finden regelmaessig Parties unter den Vollys statt. Die Aufenthaltsdauer der Vollys ist ganz unterschiedlich und reicht von einigen Wochen ueber mehrere Monate bis zu einem Jahr. Als ich den Tag nachts im Bett revue passieren lasse, stelle ich fest, wie viel ich schon erlebt habe. Die Zeit verging schnell, auch wenn es sehr anstrengend war, da es immer einen Gast gibt, der Hilfe benoetigt. Mein neues Zuhause gefaellt mir bisher sehr gut.

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Unterwegs

Von Montag bis Donnerstag findet an jedem Tag ein Trip statt, auf dem je ein Volly einen Gast begleitet. In meiner ersten Woche war ich auf drei dieser Trips. Gegen 11.00 beginnen die Fahrer und Care Assistants, die Gaeste mit einem Lift in einen grossen und einen kleineren Bus zu bringen. Zusammen geht es dann zum Zielort, wo man fuer seinen Gast und sich selbst ein Lunchpaket aus Sandwiches, Schokolade, Obst, Chips und einer Wasserflasche einpackt. Dann hat man meist 3 Stunden Zeit mit seinem Gast die Gegend zu erkunden, einzukaufen oder sich einen schoenen Platz zum essen zu suchen. Trips die ich bisher mitgemacht habe, brachten mich u. a. mit jeweils einem anderen Gast nach Lincoln zum einkaufen, ins Shopping Center nach Sheffield und zu Cadbury World. Letzteres ist der groesste Schokoladenhersteller in England und auch weltweit bekannt. Wir erfuhren wie Schokolade gemacht wird und verschiedene Attraktionen verrieten die Entstehungsgeschichte des Namen Cadbury, von einem Familienunternehmen im 18. Jahrhundert bis heute. Die Trips sind eine willkommene Abwechslung, da man jedes mal einen anderen Gast begleitet. Auf der anderen Seite sind sie natuerlich auch anstrengend aber man moechte ja, dass die Gaeste ihren Urlaub geniessen und schoene Erinnerungen mitnehmen, da viele zu Hause leider nicht die Moeglichkeit dazu haben. Auch fuer mich sind die Trips etwas besonderes.

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Das perfekte Dinner

Englisches Fruehstueck? Ja, das gibt es auf Wunsch jeden Morgen. Doch hier hoeren die Kochkuenste der Mitarbeiter zum Glueck nicht auf. Das Essen ist naemlich ziemlich abwechslungsreich. Ok, Lunch, welches es meist gegen 1.00 Uhr fuer die Gaeste und Vollys gibt, die nicht auf die Trips gehen, bleibt meist bei Nudelauflauf, Salat, Fruechten und Pommes sowie Donuts zum Nachtisch. Highlight ist fuer mich bisher die Special Food Week gewesen. Die begann am Sonntag mit einem mittelalterlichen Bankett mit passendem Menue, Musik und Dekoration. In den folgenden Tagen repraesentierte das Essen dann jeweils ein Land: Burritos aus Mexiko, Curry aus Indien, Spaghetti aus Italien und vieles mehr. Und nicht zu vergessen sind die Desserts, die jeden Tag aus verschiedenen Kuchen und Pudding bestehen. Da die Gaeste am Samstag Mittag Skylarks wieder verlassen, findet jeden Freitag Abend eine Party statt. Zum Dinner wird dann abgesehen von der ueblichen Vorspeise noch was besonders feines wie z. B. Krabbencocktail und wahlweise Weiss- oder Rotwein fuer alle serviert. Anschliessend steigt die Party mit Musik, Tanz und Entertainer. Und hier meine ich keine Moechtegernsuperstars. Letzten Freitag hat eine richtig coole Saengerin das Haus mit Songs von Tina Turner und LeAnn Rimes gerockt. Ob mich die Parties mal langweilen werden? Kann gut sein, auf der anderen Seite sind es immer neue Gaeste und Volunteers mit denen man feiert.

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Multikulti

"In Skylarks treffen sich alle guten Menschen" Freitag nach dem Dinner halten Freiwillige traditionellerweise immer Reden, in denen sie sich bei den Mitarbeitern, Volunteers und anderen Gaesten bedanken. Oft sind sie ziemlich bewegend und kommen von ganzem Herzen. Dies liegt nicht zuletzt an der unglaublichen Mitarbeit aller, die die Woche zu einem vollen Erfolg gemacht haben. Bis zum Ende der Woche hat sich meist sogar eine Art Familiengefuehl entwickelt. Vielen gefaellt es sogar so gut, dass sie wiederkommen. Zur besonderen Atmosphaere trage vor allem die Volunteers bei, die wie gesagt u. a. aus Suedkorea, Polen, Belgien und Deutschland kommen. Ich verstehe mich mit allen Gaesten und Vollys sehr gut. Besonders interssant ist es, von anderen Kulturen zu lernen und Erfahrungen und Ansichten auszutauschen sowie Stereotypen zu diskutieren. Ich habe sogar schon einige Woerter auf Koreanisch gelernt und den Koreanern "Was los, Alter?" und "Probleme?" beigebracht :-D Gestern hatten wir frei und waren zusammen shoppen. Freunde zu finden ist in Skylarks jedenfalls so leicht wie nirgendwo sonst.

1 Kommentar 6.8.08 12:33, kommentieren

Get the party started

Wie gesagt: Freunde finden ist hier die leichteste Uebung. Und natuerlich organisieren wir dann zu gegebenem Anlass (abgesehen von den allwoechentlichen Freitagabenden) auch mal Parties allein unter Vollies und Mitarbeitern, meistens in der German flat. Und was benoetigt man dazu? Unter anderem das richtige Outfit, weshalb James, ein netter und cooler Care Assistant, mir die Stadt zeigte und mit mir shoppen ging. Klamotten sind hier naemlich recht guenstig. Besonders angetan hat es mir auch der Market Square, zentraler Treffpunkt, der mich ein wenig an den Alex meines geliebten Berlins erinnert *schnief*. Am Abend gings dann zu Lisa, ebenfalls Care Assistant in Skylarks, die als relativ neue Mitarbeiterin zu Hause eine Willkomensparty schmiss. Fuer das leibliche Wohl war gesorgt: Essen, Trinken und als besonderes Highlight wurde eine Riesenhuepfburg gemietet und im Garten plaziert. Nicht erst nach ein paar Pint Cider und Baileys Shots macht das tierischen Spass.

1 Kommentar 10.8.08 18:22, kommentieren

Lovely

Einige Gaeste haben es mir echt angetan. Nett sind hier alle, doch nicht jeder zeigt seine Freude und Zuneigung so wie mancher Gast. Als ich Lorraine beim anziehen half, sagte sie oft "That`s lovely" oder "I really like you, you`re doing a great job". Wir verstehen uns sehr gut und scherzen auch gern mal miteinander, super lustig. Und Andrew, mit dem ich gestern shoppen war, sagte er sei happy und dass er eine tolle Zeit hier habe und sich freuen wuerde, mich kennengelernt zu haben. Er hat mich sogar gefragt ob ich ihm heute abend beim Abendessen helfen kann (meist hilft man einfach irgendeinem Gast, der grade allein sitzt). Doch ich musste leider ablehnen (was mir sehr schwer fiel), da ich nachmittags frei hatte. Jedenfalls kann ich sagen, dass meine Arbeit sowohl von den Gaesten als auch anderen Mitarbeitern sehr geschaetzt wird. Man weiss ganz genau, warum man jeden morgen aufsteht, was man tut, warum man es tut und was die Fruechte der Arbeit sind. Dieses Gefuehl hatte ich in meinem Leben bisher noch nicht und werde es in dieser Form vielleicht auch nicht mehr erleben.

1 Kommentar 13.8.08 15:36, kommentieren

Germany: 12 points!

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen waehrend meines Aufenthaltes hier an meiner Mappe fuer mein Studium zu arbeiten. Doch leider bin ich dazu noch kaum gekommen. Entweder haben wir abends Parties in der German flat oder erholen uns am Tag danach von selbiger. Natuerlich kommt es auch immer auf die anderen Vollies an. Letzte Woche waren die z. B. in richtiger Partylaune und haben in der Nacht nur so um die 3 Stunden geschlafen, da sie im Gegensatz zu den Long term vollies wie mir viel laenger arbeiten muessen. Am letzten Samstag hat Andre, ein Care Assistant drei andere Vollies und mich dann mit nach Warwick Castle genommen. Das Schloss bietet Austellungen ueber die Geschichte des Anwesens, Vorfuehrungen mit Gauklern, Rittern und Raubvoegeln sowie die Attraktion Ghosts alive, die fuer Gaensehaut und Schrecken sorgt. Am darauffolgenden Montag war ich dann mit einem Gast im Sherwood Forest unterwegs. Wir haben eine kleine Wanderung gemacht und eine fast 1000 Jahre alte Eiche besichtigt, die den Versammlungsort fuer Robin Hood und seine Diebesbande dargestellt haben soll.


Diese Woche steht ausserdem wieder unter einem Motto, naemlich Musik. Am Sonntag begann das Spektakel mit drei Bands, die Klassiker aus den 70ern und 80ern spielten sowei einem Frank Sinatra Doubel. Am Dienstag war dann Eurovision Song Contest angesagt. Vollies und Mitarbeiter konnten sich Titel aussuchen und im Namen eines Landes performen. Gosia und ich traten mit "We Can", einem Duett von Ex-No Angel Sandy fuer Deutschland an. Wir hatten schon einige Tage vorher zu ueben angefangen. Und dann war es so weit. Etwas aufgeregt waren wir schon aber es lief alles wie eingeprobt. Insgesamt waren es sechs Acts. Nachdem alle performt hatten, lag es an den Zuschauern die Punkte fuer die Teinehmer abzugeben. Alles deutete darauf hin, dass die vier Interpreten fuer England gewinnen wuerden. Es war perfekt vorbereitet: Vier Medaillen fuer diese vier Mitarbeiter und ebenfalls vier Weinflaschen waren bereitgestellt. Doch es sollte anders kommen. Voellig ueberraschend wurden wir als erster Platz ausgerufen! Wir lagen uns vor Freude in den Armen und feierten danach noch eine Weile mit den anderen.


Am Donnerstag war ich mit James, Ben, Effie, Gosia und Gabi (Care Assistants, Vollunteer Assistant und Gosia meine "Long term volly Kollegin" im Rock City, einem recht angesagten Club in Nott'm und wir haben die Nacht durchgetanzt. Es ging heiss her ;-P Zurueck in Skylarks haben die Koreaner dann noch einige "lustige Spiele" mit uns veranstaltet.

1 Kommentar 20.8.08 15:11, kommentieren

Doing fine

Bei einem meiner Trips ins City Centre habe ich Waterstone's besucht, eine Buchhandlung. Direkt darueber befindet sich View from the top eine Gallerie, in der momentan Bilder von jungen Talenten ausgestellt wurden. Einige gefielen mir sehr gut, vor allem weil viele Arbeiten Design-Anspruch hatten, modern und damit auch eher leicht verdaulich waren. Das Beste: Der Eintritt ist frei. Ich haette sogar ein Bild gekauft wenn ich das Geld haette. Am Abend waren wir dann noch in einem polnischen Restaurant Warzaw Dinner, in dem ich Pierogi gegessen habe. Es war sehr lecker und gar nicht mal soooo teuer. Am darauffolgenden Samstag hat Andre uns wieder mal auf einen Trip mitgenommen, diesmal nach Newark-on-Trent. Dort gibt es einen offenen Markt und eine Burg.

Außerdem habe ich eine neue Beschäftigung gefunden, denn ich wurde gefragt, ob ich nicht ab und zu Barkeeper im "Wheel In", der Bar fuer die Gäste und Vollies sein möchte. Da ich sehr gern Drinks mixe, habe ich natürlich sofort zugestimmt. Zusätzliches Taschengeld bekomme ich für diese Aufgabe auch noch. Eine Schicht dauert so ca. 4 Stunden am Abend. Zuerst musste ich ein Training absolvieren: Bier zapfen, kassieren und generelle Hygiene- und Sicherheitsvorschriften. Meine erste Schicht hatte ich dann am Abend darauf und es hat sehr viel Spaß gemacht, obwohl ich sagen muss, dass wenig Kunden natürlich mehr Langeweile und Pausen bedeuten aber in dieser Zeit kann man sich anderweilig beschäftigen, sei es mit Mitarbeitern plaudern oder was lesen.

In der letzten Woche stand alles unter dem Motto Angeln. Jeden Tag fand ein Trip zu einem anderen Angelplatz statt und ich war natürlich auch auf einem Trip dabei. Bei dem Platz handelte es sich um einen professionellen, privaten. Ziel der Gäste war es jeden Tag so viele Fische wie möglich zu fangen um am Ende der zwei Wochen als Sieger aus dem Angelturnier hervorzugehen. Jeder Volly war wieder fleißig dabei seinem Gast zu helfen. Das beinhaltete Auf- und Abbau des Equipments, das Fangen der Fische mit dem Netz und schließlich das Herausnehmen der Haken und den gefangenen Fisch ins Netz im Wasser zu werfen. Denn gegessen werden die Fische nicht, sondern nur gewogen und dann wieder freigelassen. Zwischendurch warf ich auch ein bisschen Futter ins Wasser. Damit lag es dann also am Gast die Angel einzuwerfen und den Fisch zu fangen. Anfangs natürlich noch unsicher und darauf bedacht nichts falsch zu machen, hatte ich es bald ganz gut drauf die Haken zu entfernen und wir fingen einen Fisch nach dem anderen. Ich denke, sie waren sehr hungrig, da teils im Abstand von nur fünf Minuten wieder ein Fisch an der Angel hing. Mit dem Wetter hatte ich ebenfalls Glück, da es nicht regnete. Andere Trips in den zwei Wochen verliefen nicht ganz so trocken, wenn ihr versteht? Insgesamt hat es mir viel Spaß gemacht aber jeden Tag würde ich das nicht machen wollen, dazu war es dann doch auf Dauer etwas langweilig.

Am Montag verlief es weniger schön, denn da habe ich einen Gast ins Krankenhaus begleitet. Am Morgen ging es ihr sehr schlecht und sie wollte nicht mehr reden, woraufhin die Ambulanz kam und sie sowie mich transportierte. Nach einigem Warten wurde ich hineingerufen und über ihren Zustand aufgeklärt. Er war leider behandlungsbedürftig und sie würde über Nacht oder mehrere Tage dableiben müssen. Deshalb verließ ich bald darauf das Krankenhaus, machte noch einen Halt im Zentrum der Stadt um etwas einzukaufen und war dann zum Ende meiner Schicht um 17.00 zurück in Skylarks.

An einem Morgen, als ich gerade die Frühschicht hatte und mit Barbara, einer gebürtigen Polin, einem Gast beim Aufstehen half, ging plötzlich der Feueralarm im ganzen Haus los. Dies war das erste Mal seit ich hier bin. Übungen waren normalerweise nicht nötig, da den Gästen jeden Samstag gesagt wurde, was im Fall der Fälle zu tun wäre und der Feueralarm probeweise ausgelöst wurde. Übungen mit den Angestellten wurden ebenfalls nur in der Trainigszeit im Januar wenn überhaupt gemacht. Barbara verließ den Raum um mit den anderen Pflegern die Ursache des Alarms zu suchen. Ich blieb mit dem Gast im Raum. Der Alarm war entsetzlich laut und ich muss zugeben, ich hatte etwas Muffensausen, da es wie gesagt keine Übung sein konnte. Nach schrecklich langen 30 Minuten kam Barbara schließlich zurück. Der Alarm sei in der Küche ausgelöst worden. Zum Glück handelte es sich um falschen Alarm: Lediglich Rauch und Dunst beim Kochen seien die Ursache gewesen. Trotzdem ziemlich aufregend dieser Morgen!

Zum ersten Mal seitdem ich hier bin gab es diese Woche einen Trip zum Trent River, wo uns eine Bottsfahrt erwartete. Das Wetter war typisch englisch würde man wohl leider sagen: Bewölkt, etwas kalt, Nieselregen. Zum Glück saßen wir aber im Schiff und konnten nach draußen wenn wir wollten, um einige Fotos zu machen. Die Fahrt an sich hat viel Spaß gemacht und dauerte gute zwei Stunden.

 

2 Kommentare 9.9.08 22:33, kommentieren

Im Himmel ist Jahrmarkt

In den ersten Tagen im Oktober findet in Nottingham immer Goose Fair statt, angeblich Europas größter transportabler Jahrmarkt. Das konnte ich mir als eingefleischter Achterbahn-Fan natürlich nicht entgehen lassen. Zu sechst haben wir uns dann an einem windigen Samstag auf den Weg gemacht. Achterbahnen gab es leider nicht, dafür aber einige andere Fahrgeschäfte, die es allemal wert waren. Sogar für mich war einiges neues dabei. Das Gelände ist wirklich riesig und es gibt jede Attraktion mehrmals. Die Preise waren auch in Ordnung und wir hatten eine Menge Spaß bis es am späten Abend anfing zu regnen und wir uns entschieden, die Stadt noch ein bisschen unsicher zu machen. André hat uns angeboten am 9. Oktober mit ihm nach Alton Towers zu kommen, vermutlich Englands bester Vergnügungspark. Da würde mein Andrenalin-Spiegel dann sicher auf seine vollen Kosten kommen.

 

In dieser Woche haben wir außerdem wieder eine besondere Woche: Die Gäste haben Demenz und sind zum Großteil mit ihren Pflegern hier. Das ist eine Abwechslung und bedeutet einige Umstellung, da wir sonst großteils Gäste mit körperlicher Behinderung haben. Auf der anderen Seite kann man allerdings auch neue Erfahrungen sammeln.

Das Programm war ebenfalls unterhaltsam. So hat uns u. a. eine Theatergruppe besucht und ein Stück über Kinder und die besondere Beziehung zu einem verloren geglaubten Großvater aufgeführt. Am Freitag war dann wiedermal Partynacht. Doch diesmal stand das Dinner unter dem Motto „Weihnachten“. Etwas zu früh Anfang Oktober? Sollte wohl ein Scherz sein um die Gäste etwas zu verwirren. Da gab es kleine Geschenke, Weihnachtsbraten und ein leckeres Weihnachtsdessert. Gäste und Mitarbeiter waren weihnachtlich verkleidet und teilweise so beschmückt, dass Tannenbäume vor Neid grün werden müssen...ähm, ja.

 

Ich hatte schon die Tage runtergezählt, bis es nach Alton Towers ging. Schließlich war es soweit. Gegen neun Uhr machten wir uns auf den Weg. Pünktlich zur Eröffnung standen wir an den Kassen an. Das Wetter war den ganzen Tag über hervorragend: kaum Wolken und mäßig warm. Da wir an einem Donnerstag außerhalb der Ferien kamen, mussten wir auch nie länger als 15 Minuten anstehen und konnten einiges sogar mehrmals fahren. Der Park hat u. a. unglaubliche 7 Achterbahnen. Rita ist die schnellste, Oblivion lässt einen mit dem Gesicht zuerst in ein dunkles Loch stürzen, bei Nemesis verlaufen die Schienen über dem Kopf sodass die Beine frei baumeln, während Air einem das Gefühl vom Fliegen gibt, da man liegend in der Achterbahn fährt. Ebenfalls Spaß hatten wir in der Wildwasserbahn und in einer Geisterbahn, in der man während der Fahrt mit Laser Guns auf Zombies und Geister schießt um am Ende einen Sieger und High Score zu ermitteln. Insgesamt ein unvergesslicher Tag.

1 Kommentar 10.10.08 15:16, kommentieren

Fürchte dich

Nach meiner Woche Aufenthalt zurück in der Heimat, in der ich meine Familie und Freunde wiedergesehen habe, bin ich diese Woche pünktlich zur Horror Halloween Week zurück in Skylarks. Es ist ein seltsames Gefühl, denn ich habe natürlich Berlin vermisst aber bin auch fröhlich wieder zurück in Nottingham zu sein und meine Freunde hier wiederzusehen. Für Halloween wurde Skylarks in eine Gruft verwandelt: Das Esszimmer wurde bereits kräftig geschmückt und die German flat habe ich deshalb auch etwas dekoriert. Zum Essen haben wir heute anstatt der üblichen Popsongs Gruselmusik gehört und  schauen nun regelmäßig Horrorfilme. Außerdem bin ich fleißig dabei mein Kostüm vorzubereiten, das ich größtenteils selber bastle und auf dessen Idee ich ziemlich stolz bin. Das Ergebnis wird umso besser. Doch das ist erst der Anfang in dieser Woche...

Am Mittwoch Abend war ich auf meinem ersten Nachtausflug mit Gästen. Was würde da wohl besser geeignet sein als ein Besuch im örtlichen Theater um The Woman in Black, das angeblich schrecklichste  Theaterstück der Welt zu sehen? Es dauerte gut anderthalb Stunden und dreht sich um eine einsam verstorbene alte Dame und ihr von ihrem Geist heimgesuchtes Haus in der englischen Provinz sowie einen jungen Mann, dessen Auftrag es ist, ihr Erbe zu verwalten. Gefallen haben mir an dem Stück der atmosphärische Nebel und die gruseligen Geräusche, die einen wirklich erschreckt haben. Allerdings haben die Darsteller zu viele Erklärungen gegeben, aber den Gästen hat es auf jeden Fall gefallen und das ist ja die Hauptsache.

Am Abend darauf wurde es sogar noch viel besser: Wir haben uns Vampires Rock in der Royal Concert Hall in Nottingham angesehen, ein Grusical mit großartigen Kostümen, Effekten und coolen Sängern, die die Geschichte eines Mädchens auf dem Weg zum Rockstar erzählen mit Hilfe klassischer und moderner Rocksongs wie Highway To Hell, School´s Out, Total Eclipse Of The Heart, I Love Rock´n´Roll, Poison, Sweet Child Of Mine und vielen mehr. Tanz der Vampire habe ich zwar nicht gesehen aber ich kann mir vorstellen, dass es recht ähnlich ist. Jedenfalls war die gut zwei Stunden lange Show ein absolutes Highlight wenn man die Ausflüge bedenkt und dank der Vampire und Zombies genau das richtige zu Halloween.

Am Freitag war es dann endlich soweit und alle konnten sich wie verrückt verkleiden. Und es waren wohl einige sehr coole Outfits dabei: der Zombie-Gefängnisinsasse, der Fleischer, dieVamirdame, Radioactive Man, ein Priester (!) und natürlich meine Wenigkeit: Beetle Juice. Dank all der Mühe, die ich in mein Kostüm gesteckt habe, habe ich auch eine Menge Komplimente dafür bekommen. Ein Mädchen hat sich sogar richtig erschrocken, sodass ich dann den ganzen Abend nicht anders konnte, als ihr hier und da mal wieder aufzulauern. Damit war die Horror Woche so ziemlich auch die beste Woche hier

 

 

1 Kommentar 26.10.08 22:45, kommentieren

Basteln bis der Arzt kommt

Diese Woche steht alles unter dem Motto"basteln und malen". Die "Craft Week" ist in Skylarks schon eine Tradition und findet zweimal im Jahr statt. Die Aktivitäten reichen von Seidenmalerei über  Kartengestaltung und Glasmalerei bis hin zu selbstgemachten Kerzen und Uhren. Da jeden Tag anderes auf dem Programm steht und wir außer den Gästen beim basteln zu helfen auch unsere eigenen Sachen gestalten können, macht es eine Menge Spaß und ich freue mich schon auf die nächste Bastelwoche im März 2009.

Am 5. Novemeber war in England Bonfire Night. Da wird traditionellerweise ein großes Feuer angezündet, man macht Feuerwerk und isst kandierte Äpfel. Da wir diesen Feiertag in Deutschland nicht haben und ich Lagerfeuer soweiso mag, fand ich es sehr amüsant.

Anschließend kamen meine Mutter und Schwester mich hier für einige Tage besuchen und wir haben Sehenswürdigkeiten besucht, die ich mir bis dahin für sie aufgespart habe, leckeres Essen gegessen und waren natürlich shoppen. Da war zunächst der älteste Pub in ganz England "Ye olde Trip to Jerusalem", der sehr urig war und wo wir zu unseren Fish´n´Chips englischen Cider tranken. Die Führung durch die Sandsteinhöhlen "City of Caves", die ebenfalls einzigartig sind, war besonders lustig, da wir eine unglaublich tolle und sarkastische Führerin hatten, die uns über die vielen interessanten Zwecke der Höhlen im Laufe der Jahrhunderte aufklärte: So dienten sie als Zufluchtsort für Diebe, als Lederfabrik und schließlich als Luftschutzbunker im Zweiten Weltkrieg. Unser nächstes Ziel war dann noch "Galleries of Justice", ein Gefängnis, ebenfalls mit einer sehr interessanten und erschreckenden Führung dank der begabten Schauspieler, die uns selbst zu Verbrechern machten. Als letzte Station waren wir schließlich in Wollaton Hall, einer großen Parkanlage mit einem Anwesen, in dem sich jetzt ein Museum befindet, dass die Geschichte des Ortes erzählt. Besonders beeindruckend war das freilaufende Wild. Inmitten eines Golfplatzes grasten Rehe und Hirsche, die sich offenbar nicht von den umherlaufenden Golfern stören ließen. Trotz des eher unangenehmen Wetters war es ein schöner Tag.

 Am Dientsag war ich mal wieder auf einem Trip, diesmal zum Snibston Discovery Park. Dort konnte man alles über Erfindungen der Menschheit erfahren, Naturphänomene unter die Lupe nehmen und eine Menge sogar selbst ausprobieren. Besonders amüsant fand ich jedoch das Voting, in dem Besucher über die beste Erfindung der Menschheit abstimmen konnten. Nun würde man vermuten, dass die Schrift, Elektrizität oder das Rad auf dem ersten Platz wären, doch unerklärlicherweise war es der BH. Ob das mit rechten Dingen zuging? X-D

1 Kommentar 8.11.08 23:33, kommentieren

Eislaufen, Marshmallows und Pyjamas

Am Nottingham Market Square ist alljährlich ein deutscher Weihnachtsmarkt mit Bretzeln, Stollen, Glühwein und anderen typisch deutschen Leckereien. Außerdem wird eine Eisbahn aufgebaut, die sich mitten im Markt befindet und damit perfekte Atmosphäre schafft. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so verabredete ich mich mit Effie aus Neuseeland und Mickey zum Schlittschuhlaufen. Während Mickey mehrere Jahre wochenends Eis lief und ich auch ziemlich sicher war, musste Effie sich oft an der Bande festhalten und ist mehrere Male hingefallen, hat sich aber nichts getan. Somit hatten wir alle eine Menge Spaß. Anschließend haben wir bei Frankie und Benny´s ein köstliches Dinner gehabt.

Als ich einmal Pyjamas kaufen war, kam Effie die Idee eine Pyjama Party in der German Flat zu veranstalten und alle Long Term Vollies einzuladen. Gesagt, getan. Wir gingen ins City Centre um so einige Sachen für die Party einzukaufen und waren anschließend noch in Cookie Shake, wo man sich aus dutzend Zutaten seinen eigenen Shake zusammenstellen kann. Ich hatte einen heißen Ferrero Rocher Shake, lecker.

Schließlich war der Tag gekommen und wir verbrachten den ganzen Nachmittag damit unsere Party vorzubereiten: Lichterketten aufhängen, Kerzen anzünden, die Sofas mit Decken gemütlich machen, eine Schnipseljagd vorbereiten und dazugehörige Teile einer Gute-Nacht-Geschichte schreiben, entspannende Musik zusammenstellen, Schwimmkerzen in die Badewanne tun usw. Als es dann soweit war, aßen wir Marshmallows in geschmolzener Schokolade, Zuckerwatte, Popcorn, tranken heiße Schokolade mit Schuss, Glühwein und alle kamen natürlich in Pyjamas. Die geplante Kissenschlacht haben wir in der Aufregung leider vergessen.

Am 6. Dezember fing ich meine Arbeit als Volunteer Assistant an. Das heißt ich werde in der nächsten Zeit als Pfleger angelernt und habe damit mehr Verantwortung, andere Aufgaben und mehr Abwechslung. In meiner ersten Schicht habe ich Betten gemacht, Essen serviert, Gästen beim Auspacken ihres Koffers geholfen und einen Gast mit Ka Eun, einer Koreanerin, zu Bett gebracht. Zwischendurch war es eher entspannend und wir haben rumgealbert. Ich denke die Arbeit wird mir jetzt noch mehr Spaß machen.

 

Yoof Week

Lang erwartete und vorbereitete "Jugendwochen" gibt es drei Mal im Jahr: zu Ostern, im Sommer und zu Weihnachten.  Dann gibt es besonderes Programm und die Gäste sind allesamt zwar keine Jugendlichen mehr aber deshalb noch lang nicht weniger trink- oder partyfest. Jeden Tag gibt es anderes Programm und die Bar ist ebenfalls länger geöffnet, meist bis 2 Uhr morgens. Am Samstagabend stand alles unter dem Motto "Casino Royale". Demnach war jeder schick angezogen, es gab köstliches Dinner und anschließend wurde die Lounge in ein Casino verwandelt: Es ga b Spieltische mit Black Jack, Roulette usw. Außerdem Freisekt, Cocktails und Schokoladenfondue mit Marshmallows und Erdbeeren. Hat mir sehr gut gefallen. Am Tag darauf ging es in Gruppen zum Pub Crawl: Pubs, Kneipen und Gesaufe. Ich kann mich jedoch gut im Zaum halten :-) Wettbewerb zwischen den Gruppen war es eine tischbeinhohe Tanne zu schmücken. Das Problem: Die Dekoration musste in Pubs geklaut und erschnorrt werden. Meine Gruppe hat leider nicht gewonnen aber unser Christbaum hatte immerhin Gesicht und "weibliche Züge", also ziemlich kreativ (dank mir selbstredend). Am Montag gingen die Gäste zur Snowdome Eislaufbahn, da war ich leider nicht dabei. Die Vorstellung, dass Rollstühle von Vollies auf dem Eis umhergeschoben werden, ist allerdings amüsant. Am Abend gab es  wiederum einen DJ und coole Lichteffekte wie in einer ordentlichen Disco. Freiwillige Mitarbeiter und Vollies wurden anschließend bei einer Sklavenauktion für eine Stunde versteigert und mussten Drinks besorgen oder massieren. Am Dienstag sind Gäste und Vollies clubben gefahren und erst gegen 3 Uhr nach Mitternacht wiedergekommen. Am Morgen danach sind natürlich viele Gäste lange im Bett geblieben, deshalb gab es Brunch mit Pasteten, Burgern und einigem mehr neben dem üblichen englischen Frühstück. Witzigerweise haben wir abgemacht, dass außerdem jeder in seinem Schlafanzug zum Brunch kommt. Am Nachmittag gab es schließlich ein köstliches Weihnachtsdinner mit Truthahn und leckerem Dessert. Am Abend wurde von den Care Assistants das Krippenspiel aufgeführt, selbstverständlich in einer lustigen, moderneren Variante. Der Donnerstag stand unter dem Motto Fame: Verrückte Outfits a la 60er/70er und eine Talentshow. Mit Freitag war der ersehnte Partyabend schließlich gekommen. Das Motto war diesmal: Disney. Fast jeder hat sich dann verkleidet, sei es nun Esmeralda von Quasimodo, Charaktere aus Toy Story, Dorothy von Zauberer von Oz, Cinderella, Alice im Wunderland, böse Schwestern, Hexen, Zeus von Hercules, eine Menge Minny Mäuse, Simba und viele mehr. Ich habe mich als Vogelscheuche von Wizard of Oz verkleidet.

Staff Party

Am Samstag verließen Vollies und Gäste wie gewohnt das Center, jedoch kamen keine neuen rein, denn am Abend war eine Mitarbeiter Feier geplant: Es gab Freidrinks, Trinkspiele, leckeres Essen, Musik, Karaoke und insgesamt eine Menge Spaß. Dies war bestimmt mitunter der beste Abend aller Zeiten hier in Skylarks. Jeder war guter Stimmung und wir haben getanzt und gesungen, dass die Hütte brennt.

Weihnachten und Neujahr

Zu Weihnachten gab es mal wieder ganz gutes Essen, Desserts und nach dem Dinner kam der Weihnachtsmann! Er hat Geschenke für alle Gäste und Volunteers verteilt. Wir haben Pralinen bekommen. Unter den long term volunteers haben wir außerdem einen Jul-Club veranstaltet. Ich habe jemandem, der auf Tricks steht eine Art Zauberkasten geschenkt. Selbst bekommen habe ich einen superwarmen Schal von Ka Eun. Auf zwei Tage verteilt haben Effie und ich in der German flat Weihnachten gefeiert. Geschenke von unseren Eltern und uns selbst gekaufte Geschenke standen schon lange vorher unterm Weihnachtsbaum, den wir schön dekoriert hatten. Wir haben uns auch gegenseitig was geschenkt (ich bekam einen Schokoladenbrunnen von Effie).

Zu Sylvester bin ich mit Ka Eun und Adrea zu einer Party bei Lisa gegangen. Auch wenn wir den Weg erst nach einigen Mühen fanden, drinnen konnten wir uns ja mit Drinks aufwärmen. Jackie, die im Center Urlaub gemacht hat, war ebenfalls mit dabei. Zu später Stunde waren einige sehr lustig drauf. Andrea hat z. B. überwiegend Spanisch gesprochen ohne zu realisieren, dass wir sie nicht verstehen. Feuerwerk ist leider nicht sehr verbreitet, vor allem da man es nur in bestimmten lizenzierten Läden kaufen kann, aber wir sind gut reingerutscht.

Januar 2009

Da im Januar das Center für Gäste geschlossen ist, haben wir die Zeit genutzt für einige Tage nach Berlin zu fliegen, schließlich sind Flüge momentan sehr günstig. Ich habe Effie, Ed und James die Stadt gezeigt, wir waren im Schwapp Schwimmbad, und sind natürlich ausgegangen. Trotz des arktischen Wetters (über den Schnee hat sich Effie als Neuseeländerin, die das nicht oft zu sehen bekommt, sehr gefreut) hatten wir eine Menge Spaß und konnten es schließlich auch zum Schlittenfahren nutzen. Als wir zurückkamen waren dann Trainings und putzen angesagt, denn das Center muss für die nächste Saison auf Vordermann gebracht werden. Meinen Geburtstag am 19. habe ich einen Tag in der Stadt in Bars und Clubs und den darauffolgenden im Center verbracht, Freunde eingeladen und gefeiert. Nach einer weiteren Woche in Berlin musste ich für eine längere Weile Goodbye zu Freunden und Familie sagen. Ich vermisse euch alle! Die restlichen Trainings zum Thema Alzheimer, Pflegestandards, Volunteers, Kulturelles Bewusstsein und andere waren noch sehr interessant. Nachdem das Center wiedereröffnet wurde, bin ich mit Andrea und Ji Hyun für zwei Nächte nach London gereist. Wir übernachteten in einem Jugend Hostel und haben uns eine Menge angeschaut: Von Museen wie dem National History Museum, die National Gallery und Tate Modern über den Buckingham Palace, Westminster Abbey, Tower Bridge, Picadilly Circus und Chinatown bis hinzu Greenwich, wo wir die Sternenwarte und das Planetarium sahen. Da dort der Nullmeridian der Längengrade verläuft konnten wir außerdem mit einem Fuß auf der Ost- und mit dem anderen auf der Westseite der Erde stehen.

 Bald darauf hatte ich meine ersten Nachtschichten von 21.30 bis 7 Uhr morgens. Da es sehr ruhig war und alle 14 Gäste durchschliefen, war es sehr entspannend und ich konnte meine Wäsche waschen, Musik hören oder sonst tun was ich wollte. Gelangweilt habe ich mich jedenfalls nicht. Allerdings ist es ein seltsames Gefühl einerseits Leute schlafen gehen zu sehen und am nächsten Morgen wieder aufstehen zu sehen während man selber die ganze Nacht wach war und andererseits natürlich am Morgen selbst erst gegen 8 Uhr schlafen zu gehen. Überraschenderweise fühlte ich mich aber selbst nach der Schicht noch so gut, dass ich glatt weiterarbeiten könnte. Müdigkeit oder Probleme wachzubleiben hatte ich auch nicht. Erst einmal im Bett bin ich dann jedoch schnell eingeschlafen. Am nächsten Abend war ich dann mit einigen Leuten in einer spanischen Tapas Bar. Das Essen war sehr lecker und ich kann es nur empfehlen, vor allem da jeder mehrere kleine Gerichte bestellt und man dann teilen kann.

Bye Bye

Effie aus Neuseeland war hier meine beste Freundin geworden. Wir schauten fast täglich Filme zusammen in der German flat, alberten rum, gingen einkaufen oder Party machen und jedes Mal wenn ich jemand zum reden (oder nerven) brauchte war sie da. Doch Anfang März war es Zeit Tschüss zu sagen denn ihre elf Monate hier waren abgelaufen und sie musste zurück nach Hause. Doch wir haben eine Menge schöner Erinnerungen zusammen gesammelt. Bei ihrer Goodbye party am Abend bevor war sie ziemlich betrunken, da jeder ihr einen Drink ausgegeben hat. Es war sehr lustig jedenfalls. Da Effie in dem Zimmer neben der Flat wohnte bekam ich das Zimmer. Es ist zwar doppelt so groß aber auch ein seltsames Gefühl in ihrem ehemaligen Zimmer zu sein. Doch ich habe es mir sehr gemütlich dort gemacht: Neue Bettbezüge, ein Kissen, einen Teppich und Accessoires gekauft und ein Bild gemalt sowie die Wand teils gestrichen. Ich denke es ist nun der schönste Raum im gesamten Volly Block.

Am letzten Dienstag den 17. März war St Patrick´s Day. Wie ihr vielleicht wisst ist da Grün angesagt. Alle sollten an diesem Tag grüne Kleidung tragen. Das Wasser, dass zum passenden Dinner serviert wurde, u. a. Irish Stew, war ebenfalls grün gefärbt! Am Abend waren wir dann noch aus und fast alle haben ebenso grün oder irische Flaggen getragen, es gab Pub Games und spezielle Drinks mit Guinness oder Baileys.

April, April

Haltet mich nicht für super-fies oder verrückt. Ich liebe Scherze einfach zu sehr um diesen Tag ungenutzt verstreichen zu lassen. Am 1. April hatte ich Frühschicht. Ich hatte mir schon lange Zeit vorher vorgenommen, die Toiletten im Volly Block an diesem Tag abzuschließen, leider fiel mir erst auf, dass es der erste April ist, nachdem jeder schon beim Meeting war und die meisten Vollies folglich den Volly Block verlassen hatten. Das hielt mich allerdings nicht davon ab es trotzdem zu machen. Und so konnte ich immerhin den verbliebenen Long Term Vollies eine Freude machen, die später aufstehen konnten. Dass man die Toiletten einfach mit einem Ein-Penny-Stück verschließen und wieder aufschließen konnte, fiel (zum Glück) keinem ein, sodass Yumi, eines meiner Opfer sich beim Management beschwerte warum denn alle Toiletten in Reparatur seien, herrlich. Andrea habe ich vorgegaukelt sie müsste an ihrem freien Tag arbeiten, da viele Vollies wegen Beschwerden gehen mussten (was durchaus schon einmal vorgekommen ist). Außerdem wurden Gäste für ein Bad gebucht, die gar nicht existieren, um den Mitarbeitern der Spätschicht Panik zu machen. Kate, ein neues, bezauberndes Mädchen aus Melbourne, Australien musste doppelt leiden. Zuerst habe ich sie glauben lassen ihre freien Tage würden gestrichen da andere sie nicht genutzt haben und das Management sie deshalb nicht mehr als nötig empfand. Schließlich erhielt sie eine Flasche Vodka mit Wasser gefüllt und eine gefälschte Notiz von einem Freund. Euphorisch goss sie sich und mir ein Glas mit Apfelsaft und dem vermeintlichen Vodka ein um dann nur festzustellen, dass der Drink einfach nur zu schwach war. Also goss sie noch mehr ein. Alles was passierte war natürlich wässriger Apfelsaft. Das verstand sie jedoch nicht bis ich es ihr sagte. Ja, wir hatten eine Menge Spaß an dem Tag. Na gut, eigentlich vor allem ich. Aber mir wurde trotzem selbst kein Streich gespielt. Wir sind übrigens immer noch alle gute Freunde und es ist vergeben und vergessen.

Außerdem sind die letzten Tage sehr warm. Ich bin in guter Laune, mache Spaziergänge und genieße das fast schon sommerhaft anmutende Wetter hier.

 Zu Ostern war Yoof Week. Das hieß wiedermal: Anderes Programm, Trips und ne Menge feiern. Am Sonntag war Pub Crawl. Anders als zu Weihnachten hatte ich diesmal frei und konnte also die verschiedenen Gruppen mit Andrea und Kate besuchen wo wir wollten. In "Squares" war ein Jägermeister Trupp unterwegs. Da gab es einen verkleideten Elch und Fotos konnten gemacht werden. Am Abend danach war das Entertainment "Skylark´s Got Talent", das britische DSDS-Format. Ich wurde gefragt ob ich in der Jury sitzen wollte. Natürlich! Da Kate typisch sehr nett war und immer nur sagte: "That was sweet" wollte ich ein Dieter Bohlen sein und meinte dann z. B.: "Danke, jetzt habe ich Zahnschmerzen". Da die Show aber ohnehin sehr lustig war wurde alles mit Humor genommen. Acts waren u. a. ein Luftballon-Knoter, Gedichte-Zitierer, Tänzer, Sänger und Jongleur. Gewonnen hat letztlich Lisas Tochter die wie verrückt getanzt hat, sehr niedlich.

Am Ostermontag war dann Neon-Nacht im Lady Bay Pub. Da es in England momentan Mode zu sein scheint war auch nicht schwierig neonfarbene Kleidung zu finden. Ich habe eine orangene Krawatte, Hosenträger, Armbänder, Brille und Schnürsenkel getragen. Ich liebe solche Motto-Partys und werde die hier sicher vermissen. Am Freitag war dann Partynacht, diesmal sollte man sich besonders schick anziehen.Insgesamt eine sehr gelungene Woche.

Am folgenden Sonntag hatte ich eine Frühlingsparty in der German flat organisiert.  Da wurde mit Blumen dekoriert, alle sollten sich frühlingshaft anziehen, wir saßen auf Decken auf dem Boden und hatten ein Picknick mit Nudelsalat, Süßigkeiten, Pizza uvm.

Am Mittwoch ging ich dann für eine Woche zurück nach Berlin.

 

Sommersonne

Im Mai hatten wir eine weitere Themenwoche, von der ich zwar viel gehört, sie aber noch nicht erlebt habe: Pferderennen. Ausflüge zu Rennstrecken nah und fern gab es jeden Tag. Auf einem Trip war ich dabei und habe auch ein bisschen mitgewettet, mit mäßigem Erfolg. Ich habe zwar mal 5 Pfund gewonnen aber insgesamt an dem Tag 3 Pfund Verlust gemacht. Das geht aber noch, wenn ich so andere Leute sehe, die ihr Geld verpulvern. Jedoch machen andere Gäste auch richtig dicke Gewinne. So an die sechs Rennen sieht man bei einem Ausflug. Dabei ist das Warten verglichen mit den paar Sekunden, die Pferdchen und Jockey an einem vorbei zum Ziel rennen zwar im Übergewicht, aber mir hat es trotzdem Spaß gemacht. Es war Anfang Mai noch recht kühl aber die Oberschicht mit minimalen Kleidern und den berüchtigten Federhüten konnte man ebenso zu Hauf beobachten wie ihre gestriegelten männlichen Begleiter, sehr amüsant.

Mitte Mai sind Freunde und ich nach London gefahren um den nächsten Themenpark abzuklappern: Thorpe Park. Der hat die extremste und schnellste Achterbahn Europas "Stealth" sowie die Achterbahn "Saw" die auch ziemlich krass ist, von der gleichnamigen Filmreihe adaptiert und ein ganz schöner Schocker. Insgesamt ein sehr gelungener Tag, vor allem da wir dank Andrés Gutscheinen zum halben Preis reinkamen. Da ich nur für den Park hinfuhr ging´s für mich am Abend wieder zurück.

Die letzten zwei Wochen im Mai waren sehr heiß. Fast durchgängig blauer Himmel bei gefühlten 28 Grad waren perfekt für ein Picknick beim National Water Sport Centre, wo zu dieser Zeit die nationalen Rudermeisterschaften stattfanden, die wir uns oft anschauten, da der Eintritt frei war. 

Der zweite Skylarks Eurovision Song Contest fand zeitlich in unmittelbarer Nähe mit dem echten Wettbewerb statt. Diesmal habe ich mit Zara, einer Pflegerin hier, den Song "Sweetest Posion" von Nu Pagadi performt. Sie musste so tun als könnte sie deutsch singen. Wir hatten schwarze Kleidung und eine Art Choreografie. Außerdem kippte sie während der Perfomance "Gift" in mein Glas und gab es mir zu trinken. Andere Acts waren ebenso gut. So mimte Ed Elton John am Klavier mit tollem Kostüm und Perrücke und die Gruppe für England tanzte zu "It´s Raining Men" in Piratenoutfits umher. Diesmal haben letztere gewonnen. Wir waren immerhin dritter Platz. Weitaus besser als in der echten Show also.

Am Freitag 5. Juni hatte ich eine weitere (vielleicht letzte) Party in der German flat organisiert. Diesmal das Motto: Orientalisch. Es war mit Schnickschnack dekoriert, orientalische Musik spielte im Hintergrund und natürlich gab es exotische Drinks und Essen: Indisches Hühnerbrustfilet in scharfer Soße mit Joghurt, Brot und Baklava, eine türkische Nachspeise. Dann habe ich mir noch einen Tanz für eines der Lieder ausgedacht, wo jeder mitmachen musste.

2 Kommentare 17.3.08 15:52, kommentieren